„Jung, gläubig ... gehtʼs noch?“
Der Ausgangspunkt der Veranstaltung war eine einfache Beobachtung: Wir leben in Zeiten großer Veränderungen. Die Veränderungen betreffen uns alle, junge Menschen aber oft in besonderer Weise. Wie gestalten sie ihr Leben? Welche Rolle spielt Religion dabei? Und welche Zukunft hat Glaube in einer zunehmend säkularen Gesellschaft? Antworten darauf suchten Weihbischof Johannes Freitag, die Religionswissenschafterin Nicole Bauer, die Ordensfrau und TikTokerin Schwester Ida Vorel, Jugendseelsorger Lukas Weissensteiner sowie die Vorsitzende der Katholischen Jugend Steiermark, Kerstin Klaminger, gemeinsam mit dem Publikum.
Ein zentrales Thema des Abends waren soziale Medien und die wachsende Bedeutung religiöser Inhalte im digitalen Raum. Schwester Ida Vorel, die auf TikTok und Instagram rund 50.000 Follower*innen hat, sprach kritisch über das Phänomen der sogenannten Christfluencer. Viele von ihnen würden einfache Antworten auf komplexe Fragen geben. Ein Warnsignal sei für sie, wenn nie von Zweifeln die Rede sei. Glaube brauche Ehrlichkeit und Authentizität. Deshalb spricht sie auf ihren Kanälen offen über ihr Leben, ihren Glauben und auch über Unsicherheiten.
Nicole Bauer erläuterte die großen Umbrüche in der Religiosität junger Menschen und warnte davor, religiöse Inhalte im Internet unkritisch zu konsumieren. Gerade im digitalen Raum stelle sich immer die Frage nach den Interessen hinter den Botschaften. „Was bezwecken die Influencer? Gibt es politische oder wirtschaftliche Interessen?“, gab sie zu bedenken.
Vom digitalen Raum in das echte Leben
Weihbischof Johannes Freitag betonte die Chancen sozialer Medien als Orte der Vernetzung. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass digitale Räume persönliche Begegnungen im echten Leben nicht ersetzen können. Kirche müsse deshalb Orte schaffen, an denen Beziehungen wachsen können. Oft reiche es schon aus, Räume zur Verfügung zu stellen, in denen Menschen zusammenkommen und Neues entstehen kann.
Deutlich wurde im Laufe des Abends vor allem eines: Die gesellschaftlichen Veränderungen sind tiefgreifend. Sie gehen an Kirche und Gesellschaft nicht spurlos vorüber und prägen die Lebenswelt junger Menschen in besonderer Weise. Gerade deshalb braucht es Räume für Austausch, gegenseitige Inspiration und gemeinsames Nachdenken. Die Podiumsdiskussion verstand sich so als Einladung, miteinander ins Gespräch zu kommen: offen, interessiert und wach für das, was in Kirche, Gesellschaft und den Lebenswelten junger Menschen geschieht. Auch das ist ein Stück Synodalität.